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Hochschulhappen: Wissenschaft trifft Gesellschaft | Patriarchale Gewalt

Thomas Roese

Gewaltstrukturen überwinden – Von der Antike in die Gegenwart

Beim Hochschulhappen im Rahmen der Brandenburgischen Frauenwochen mit über 60 Gästen stand die Frage im Zentrum, wie tief Gewaltstrukturen gegen Frauen in unserer Geschichte verankert sind – und was wir heute konkret tun können, um sie zu durchbrechen. 

Es referierten Dr. Pasquale Ferrara (Universität Potsdam) und Frau Prof. Dr. Dorothee Dienstbühl (Hochschule der Polizei des Landes Brandenburg). Kompetent und charmant führte die Moderatorin Yvonne Lehmann durch den Abend und diskutierte auf dem Podium mit den Referent*innen und der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Oranienburg, Christiane Bonk, auf dem Podium und mit einem sehr interessierten, engagierten Publikum.

Zentrale Take-Home-Messages

  • Unterdrückung von Frauen ist kein neues Phänomen: Schon immer galt der Mann als „dominantes Ich“ – oder, modern gesprochen, als „Norm“.
  • Der Kampf um Erinnerungskultur hört nie auf: Welche Geschichten wir erzählen, wem wir zuhören und welche Bilder wir reproduzieren, beeinflusst, wie wir Gewalt wahrnehmen – oder übersehen.
  • Es ist ein zutiefst patriarchales Muster, Frauen gegeneinander auszuspielen – historisch auch deshalb, weil der Widerstand gegen Männer oft als aussichtslos erschien.
  • Ein binäres Schema, in dem Frauen entweder idealisiert (die Keusche, Brave, Gehorsame) oder abgewertet (die Sündige, Verführende, Wütende) werden, zieht sich durch die Geschichtsschreibung und wirkt in Medien, Politik und Alltag weiter. 
  • Jede Frau kann von Gewalt betroffen sein – unabhängig von Einkommen, Beruf oder Lebensstil. Gewalt zeigt sich in vielen Formen, analog wie digital, und beginnt oft dort, wo wir sie nicht vermuten – etwa rund um Trennungssituationen. 
  • Gewalt hat viele Gesichter: Sie kann psychisch, verbal, und (sexualisiert) körperlich oder sein, im privaten Umfeld, am Arbeitsplatz oder im Netz stattfinden, und eine Trennung kann der Beginn massiver Gewalt sein – nicht ihr Ende.

Was wir konkret tun können

Die Veranstaltung machte deutlich: Veränderung beginnt im Kleinen, bei jeder und jedem Einzelnen.

  • Hilfe anbieten, nicht retten wollen: Betroffene ernst nehmen, zuhören, informieren – ohne zu bevormunden oder Entscheidungen abzunehmen.
  • Offenheit schaffen und Tabus brechen: Über häusliche und geschlechtsspezifische Gewalt sprechen – in Familien, Schulen, Vereinen, Verwaltungen –, um ein Klima des Vertrauens zu ermöglichen.
  • Aufklären, wie verbreitet Gewalt ist: Fakten und Zahlen sichtbar machen, damit Gewalt nicht als Einzelfall „privatisiert“ wird, sondern als gesellschaftliche Aufgabe erkennbar bleibt.
  • Männer in die Verantwortung nehmen: Männer, die sich klar gegen Gewalt positionieren, setzen wichtige Signale – Schweigen wirkt wie Zustimmung.
  • Strukturen verändern: Von der Sensibilisierung in Behörden und Institutionen bis hin zu notwendigen Justizreformen – der Schutz von Frauen braucht rechtliche Grundlagen (Straftatbestäde) und institutionelle Veränderungen.

Die Botschaft des Abends: Gewaltstrukturen überwinden heißt, Geschichte und Gegenwart gemeinsam in den Blick zu nehmen – und Verantwortung dort zu übernehmen, wo wir sind: in unseren Beziehungen, in unseren Organisationen und in unserem politischen Handeln.

 

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